Chorfest 2013 – Ausführlicher Bericht

Der Sängerkreis Weschnitztal-Überwald, Mitglied im Hessischen Sängerbund,  repräsentiert  derzeit  55 Vereine mit 76 Chören.im vorderen Odenwald. Wolfgang Schlapp aus Hambach wurde im Januar 2011 bei der Delegiertenversammlung zum Ersten Vorsitzenden gewählt  Der Vorstand wurde im Januar 2013 wiedergewählt bzw. ergänzt.

Bei den alle zwei Jahre stattfindenden Kreiswertungssingen unterzogen sich die Chöre der Bewertung eines externen Richters und maßen so ihren Leistungsstand,. Diese Einrichtung wurde von vielen Chören und Chorleitern immer kritischer gesehen so dass die Teilnahme  abbröckelte. Der Vorstand musste reagieren, um dieser  Entwicklung zu begegnen und die Trendwende herbeizuführen. Nach vielen Beratungen und der Verarbeitung von positiven Erfahrungen aus benachbarten Sängerkreisen entwickelte man ein neues Konzept in der Hoffnung, damit das gemeinsame Singen wieder attraktiv zu machen und den „Kernzweck“ eines regionalen Dachverbandes in den Vordergrund zu stellen und ihn nicht zu einer rein verwaltenden Organisation verkümmern zu lassen.

Die Lösung hieß „Chorfest“. In seinem Einladungswort zu diesem Fest, das am 20. und 21. April in Waldmichelbach stattfand, führte Schlapp unter anderem aus: “..bei unserer eigenen Veranstaltung, dem Kreiswertungssingen… haben wir so getan, als wäre alles noch beim Alten. Kein Wunder, dass unsere Mitglieder nicht mehr gekommen sind….das Kreiswertungssingen 2011..traf nicht mehr den ‚Nerv‘ unserer Chöre. Es ist das erklärte Ziel des Vorstandes, jetzt eine Veranstaltungsform zu schaffen, die die Teilnahme möglichst vieler, am besten aller Mitgliedschöre möglich macht: zum gegenseitigen Kennenlernen, zum Freunde treffen, zum Vergleichen. Nicht zuletzt die geänderte Bezeichnung des Treffens soll helfen, Schwellen- und Berührungsängste abzubauen. Ich bin überzeugt, der neue Austragungsmodus bietet jedem Chor die Möglichkeit, sich in geeigneter Weise zu präsentieren. Diplom-, Beratungs- oder Freies Singen; und das alles innerhalb einer geschlossenen Auftrittsgruppe.“

Diese drei Kategorien: Diplomsingen (mit Bewertung durch einen Experten und öffentlicher Bekanntgabe), Beratungssingen (nicht öffentliche Beratung durch den Externen) und Freies Singen (Vortrag von Liedern ohne Beurteilung) sind den Bedürfnissen und Interessen der Chöre erheblich besser angepasst als das bisherige Verfahren.

Der Vorstand war gespannt darauf, wie die Reaktion der Vereine und Chöre auf dieses neue Angebot sein würde. Nach anfänglicher Skepsis und zögerlichen Rückmeldungen zeigte sich, dass man mit diesem Konzept offensichtlich „ins Schwarze“ getroffen  hatte: Es nahmen 44 Chöre (mit rund 1200 Sängerinnen und Sängern) aus 38 Vereinen mit 22 verschiedenen Chorleitern teil. Im Detail zeigte sich die Vielfalt des Chorlebens in der Region: Die Männerchöre stellten zwar mit 18 die größte Einzelgruppe. Danach folgenden jedoch schon 15 gemischte Chöre und 6 Frauenchöre. Besonders erfreulich ist die Teilnahme von zwei Kinder- und/oder Jugendchören und von zwei Pop-Chören. Die Verteilung auf die drei Vortragskategorien zeigt, dass das neue Konzept durchaus den „Nerv“ vieler Chöre und Chorleiter getroffen hat: Es nahmen nämlich 23 Chöre am Freien Singen,  12 am  Beratungssingen und neun am Diplomsingen teil.

Der Rahmen für das Fest war gut gewählt: Die gastgebenden Vereine(Harmonie Ober-Schönmattenwag und KSG Kreidach) hatten die Organisation im Griff, die Akustik des „Haus des Gastes“ war gut, und die Zuhörer in der durchweg gut gefüllten Halle waren bei allen Chören in allen Kategorien sehr aufmerksam. Das neue Banner des Sängerkreises mit dem Motto „Singen ist im Chor am schönsten“ rundete das positive Bild ab. Der Vorstand des Sängerkreises hatte einen Wertungsrichter aus dem benachbarten Kraichgau ausgewählt: Erwin Schaffer aus Sinsheim ist Musiklehrer am dortigen Gymnasium, leitet seit vielen Jahren Laienchöre und ist beratend in verschiedenen musikalischen Gremien tätig, z.B. bei der „Gemeinsamen Chorleiter-Ausbildung“ des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg und des Badischen Chorverbandes.

Wie Schaffer in einem kurzen Grußwort hervorhob, war die ausgewählte Chorliteratur ausgesprochen vielseitig: Sie erstreckte sich von der Renaissance über die Romantik bis ins 20. Jahrhundert; Volkslieder, sakrale Musik wie Gospels und Spirituals sowie Schlager und Popmusik wurden vorgetragen. Besonderen Beifall erhielten  –  nicht zuletzt wegen ihrer Leistungen – die beiden Kinder- und Jugendchöre aus Nieder-Liebersbach und Ober-Mumbach. Jeder Chor trug zwei Lieder vor..

Thomas Michael führte souverän durch das Programm, die beiden Vorstandsmitglieder Marion Klumpp und Anja Stumpf assistierten dem Wertungsrichter. Dieser nahm die Bewertung der Chöre, die sich zum Diplom- und zum Beratungssingen angemeldet hatten, nach den Kriterien des Hessischen Sängerbundes vor, wie Rhythmik, Dynamik, Aussprache, Chorklang, Phrasierung, Artikulation usw. und führte mit den Chorleitern und Sängern, die sich zum Beratungssingen angemeldet hatten, differenzierte individuelle Gespräche, in denen er sehr nützliche Hinweise für Verbesserungen gab.

Folgende Diplome wurden vergeben:

Gold: 

  • Chorgemeinschaft Eintracht Fahrenbach/Frohsinn Lörzenbach
  • MGV Union 1873 Wald-Michelbach
  • MGV „Eintracht“ Birkenau
  • MGV Harmonie Aschbach
  • Volkschor Birkenau, Volkschor Birkenau (Junger Chor)

Silber:

  • Chorgemeinschaft MGV 1869 Affolterbach/MGV 1951 Wald-Michelbach
  • Sängerlust Lauten-Weschnitz (Frauenchor)

Bronze:

  • GV Sängerlust Schlierbach 1898.

Nach dem Chorfest ist vor dem Chorfest! Der Vorstand des Sängerkreises führte eine on-line-Befragung bei allen Chören durch (die im auf dieser Homepage veröffentlicht ist), um herauszufinden, ob und in welchem Ausmaß die Kunden/Nutzer (sprich: die Chöre) der Veranstaltung mit  dieser zufrieden waren oder eben auch nicht. Die Rücklaufquote war – gemessen an vergleichbaren Umfragen – sehr zufriedenstellend. Die Fragen bezogen sich auf folgende Bereiche: die Ablösung des Kreiswertungssingens durch die drei Teilnahmemodi Diplomsingen, Beratungssingen und Freies Singen und deren Mischung im Programmablauf, die äußeren Umstände des Festes (wie Austragungsort und deren Akustik), Zeitverteilung am Samstag und Sonntag, Wertungsrichter und Beratungsgespräche. Insgesamt war eine sehr hohe Akzeptanz festzustellen. Die Antworten in den befragten Kategorien bewegten sich durchweg im guten bis sehr guten Bereich. Lediglich bei wenigen technischen Detailfragen gibt es noch Verbesserungsbedarf. Offensichtlich hat auch die Bereitschaft der Chöre durch diese gemeinsame Erfahrung zugenommen, am Beratungssingen teilzunehmen: während 27 % der Chöre am Beratungssingen teilnahmen, erklärten sich in der Befragung 54 % der Chöre dazu bereit, dies in Zukunft zu tun. Vor allem dieses Ergebnis lässt hoffen, dass bei einem erneuten Chorfest die Beteiligung und das Engagement noch höher sind als beim vergangenen.