Geschichte des Sängerkreises

Von den Anfängen bis zur Gegenwart……

Zusammengefasst von Ernst Klein, Edith Reinig, Wolf Schmidt, Horst P. Vetter

Der Sängerkreis Weschnitztal-Überwald (SK W-Ü) umfasst, neben SK Bergstraße und SK
Neckartal, die zum politischen Landkreis Bergstraße gehörenden Gemeinden mit ihren
Ortsteilen im Weschnitztal: Birkenau, Mörlenbach, Rimbach und Fürth, im Überwald:
Abtsteinach, Wald-Michelbach und Grasellenbach wie auch Ortsteile von Heppenheim,
Lindenfels und Beerfelden (Odenwaldkreis).
Den Anstoss zur Gründung einer Sängervereinigung gaben die Dirigenten der drei ältesten
Gesangvereine im Weschnitztal, die Herren Lehrer Gebhardt aus Fürth, Pfeifer aus
Birkenau und Boos aus Mörlenbach. Auf Sängerveranstaltungen stellten sie wiederholt
fest, dass die Leistungen ihrer Gesangvereine „keineswegs auf der Höhe der Zeit“ waren.
In einem Rundschreiben an die Dirigenten schlugen sie den Zusammenschluss der Gesangvereine des Weschnitztales „zum Zwecke gegenseitiger Aneiferung, Unterstützung
und Aufklärung“ vor.
Bei der ersten Zusammenkunft am 25. Aug. 1906 in Birkenau bekundeten 19 Vereine ihr
Interesse an der geplanten „Sängervereinigung Weschnitztal“. Ein provisorischer Vorstand
wurde mit der Ausarbeitung der „Statuten“ beauftragt.
Am 28. Okt. 1906 fand im Gasthaus „Zur Sonne“ in Fürth die erste Delegiertenversammlung der Sängervereinigung Weschnitztal statt, in der die sehr detaillierten umfangreichen Statuten beschlossen und ein Vorstand gewählt wurden. So wurde die Einrichtung eines Musikausschusses festgelegt, zu dessen Aufgaben es gehörte, die Auswahl des Liedgutes für die Bezirkssängertage und die Bundesfeste (der Sängervereinigung Weschnitztal) zu besorgen, den Vereinen gute und brauchbare Literatur zu empfehlen und bei den Bezirksfesten Kritik zu üben, eventuell auch mit Hilfe auswärtiger Fachkritiker.

Die Sängervereinigung, bestehend aus 17 Vereinen, wurde in 2 Bezirke eingeteilt:

Bezirk I
(unterer Bezirk, um Mörlenbach)

Bezirk II
(oberer Bezirk, um Fürth)

Im Jahr 1906/07 gehörten der Sängervereinigung insgesamt 409 Sänger an.
Bei den alljährlich stattfindenden Bezirkssängertagen, zu dessen Besuch alle Vereine verpflichtet wurden, waren je Verein drei Lieder vorzutragen. Zusätzlich mussten noch ein
oder zwei Lieder im Massenchor gesungen werden. Bei unbegründetem Fernbleiben eines
Mitgliedsvereines drohte der Ausschluss.
Bereits 1907 wurde bei Festen als Begrüssung der „Deutsche Sängergruß“ (Methfessel)
eingeführt. Beim ersten Sängertag des Unteren Bezirks in Birkenau schloss der Bundespräsident, Lehrer Bayer aus Gorxheim, sein Referat mit folgenden Worten: „Möge das deutsche Volks- und volkstümliche Lied, das so großen Einfluß auf Herz und Gemüt des Menschen ausübt, in unseren Männergesangvereinen immer mehr eine würdige Pflegestätte finden, möge ein jeder in seinem Wirkungskreise dazu beitragen, das Volkslied zu pflegen, dann werden die Zotenlieder, Lieder unsittlichen Inhalts und Gassenhauer bald
verstummen und an deren Stelle das Volkslied treten.”
Beim ersten Bundesfest 1907 in Mörlenbach, mit dem 50-jährigen Jubiläum der „Cäcilia“
verbunden, beteiligten sich 16 Bundes- und 17 auswärtige Vereine, und es kamen 2000
Besucher. In der Begrüssungsansprache des Bundespräsidenten Bayer galt das Hoch
„ … dem deutschen Vaterlande und den Förderern des deutschen Männergesangs, Sr. Majestät dem Kaiser und Sr. Königl. Hoheit, dem Großherzog.”
Im gleichen Jahr wurden Wertungskriterien für die Sängertage festgelegt. Besonders zu
beachten waren:

  • Äußeres (Aufstellung),
  • Aussprache,
  • Dynamik,
  • Tonerzeugung,
  • Tonreinheit,
  • Stimmenausgleich,
  • Auffassung.

Bereits 1908 hatte die Sängervereinigung das Problem, dass manchen Vereinen die
„…stramme Zucht…” fehlte, die Sängerzahlen und Delegierten zu melden und den Mitgliedsbeitrag
von 20 Pfennig pro Mitglied (aktiv) und 10 Pfennig neuerdings für inaktive
Mitglieder pünktlich zu zahlen. Die Mitgliedsvereine reduzierten sich auf 15 Vereine mit
347 Sängern. Doch der Bundespräsident konnte auch einen erfreulichen Fortschritt bei
den Leistungen der einzelnen Vereine feststellen.
Im Jahr 1909 beschloss der Vorstand, auch benachbarte Vereine einzuladen und zum Beitritt aufzufordern. Es waren dies: Unter-Abtsteinach, Blüte Affolterbach, Ober-Abtsteinach, Krumbach, Kirschhausen, Siedelsbrunn, Buchklingen, Weiher, Schlierbach, Rimbach, Erlenbach, Ober-Laudenbach, Union Wald-Michelbach, Harmonie Lindenfels und Liederkranz Lindenfels. Das Jahr 1910 (bekannt als das „Kometenjahr” mit vielen heftigen Gewittern und Krisen) war auch für die Sängervereinigung ein Krisenjahr. Sie stand kurz vor der Auflösung, da einige Vereine ausgetreten und viele zu inaktiv waren. Eine ausserordentliche Delegiertenversammlung lehnte jedoch den Antrag auf Auflösung mit 26 zu 12 Stimmen ab. Somit bestand die Sängervereinigung weiter. Aber der Bundespräsident Bayer, sein Stellvertreter Pfeifer und der Bundesdirigent Reeg legten ihre Ämter nieder.
Sie konnten jedoch überredet werden, bis auf weiteres im Amt zu bleiben. So fand auf
Grund der geringen Beteiligung in diesem Jahr nur ein Sängertag statt, bei dem zu den nur
8 teilnehmenden Bundesvereinen weitere 14 benachbarte Vereine eingeladen waren. Dieser Sängertag wurde ein voller Erfolg.
In den folgenden Jahren wurden die turnusmässigen Veranstaltungen durchgeführt, trotz
abnehmender Vereine. Es kam immer wieder zu Unstimmigkeiten über die Kritiken des
Musikausschusses, denen man mit der Verpflichtung von kompetenten Wertungsrichtern
von ausserhalb entgegentreten wollte. Doch dieses Vorhaben scheiterte an Terminproblemen und zu hohen Geldforderungen der Preisrichter. Der Anstoss, sich einem grösseren Bund anzuschliessen, fand keine Gegenliebe bei den Vereinen, vielmehr wollte man abwarten, bis die vielen im Tale bestehenden Gesangvereine beitreten oder bis die Sängervereinigung Weschnitztal den Grundstock bilden könnte für den gesamten Kreis.
Anläßlich der Vorstandssitzung am 10. Nov. 1912 in Mörlenbach legten die Herren Bayer,
Pfeifer und Reeg ihre Ämter endgültig nieder. Ein Kandidat für den 1. Vorsitzenden konnte
nicht gefunden werden. Danach wurden am 8. Dez. 1912 Herr Gehbauer aus Fürth zum
2. Vorsitzenden und Herr Boos aus Mörlenbach zum Vorsitzenden des Musikausschusses
gewählt.
Nach zwei Kommissionssitzungen unter dem Vorsitzenden Held (Dez. 1913 / Jan. 1914)
und Verhandlungen in Darmstadt (8. Febr. 1914) beschloss die Kommission in einer
3. Sitzung am 22. März 1914, vorbehaltlich der Zustimmung des Delegiertentages: „Die
Sängervereinigung Weschnitztal tritt geschlossen dem Odenwald Sängerbund als Organ
mit eigener Gauleitung bei. „Sobald der Delegiertentag den Anschluss an den OSB beschliessen würde, sollte die Sängervereinigung Weschnitztal formell erlöschen, und das
Vermögen an die Mitgliedsvereine gehen.

Der Sängerkreis zwischen den Weltkriegen

Durch Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der einem Viertel unserer aktiven Mitglieder das
Leben kostete, kam das Vereinsleben der Chöre völlig zum Erliegen.
In der ersten Delegiertenversammlung nach dem Ersten Weltkrieg, die am 23. Nov. 1919
in Birkenau stattfand, erläuterte der Vorsitzende des Odenwaldsängerbundes (OSB), Herr
Dr. Siegert, die Vorzüge der Mitgliedschaft in diesem grösseren Bündnis. Danach wurde
der schon im Jahr 1914 vorgesehene Beitritt in den OSB vollzogen. Nun führte unsere
Sängervereinigung Weschnitztal den Namen „Gau Weschnitztal im Odenwaldsängerbund.”
In den Folgejahren entwickelte sich wieder eine regelmässige Vereinstätigkeit; auch die
Sängertage mit Wertungssingen und Massenchören fanden wieder statt. Am 25. April 1920 fand in Birkenau der erste Dirigenten- und Sängertag statt. Als Referent gab Herr Obermusiklehrer Otto Authenwirth aus Heidelberg „den anwesenden Sängern und Dirigenten durch praktische Übungen und theoretische Anleitungen äußerst wertvolle Anregungen”.
Herr Dr. Siegert nutzte die Gelegenheit, auf die Vorzüge des Odenwaldsängerbundes hinzuweisen und lud die noch nicht dem Bunde angehörenden Vereine zum Beitritt ein. Im
gleichen Jahre fand am 05. September in Rimbach ein Sängertag statt, zu dem sich 15 Vereine angemeldet hatten. Die teilnehmenden Vereine wurden mit Musik am Bahnhof abgeholt und in die Quartiere begleitet. Um 9.30 Uhr begann das Wertungssingen. Als Wertungsrichter fungierte Herr Musikdirektor Authenwirth. Gegen 12.00 Uhr war die offizielle Veranstaltung zu Ende, danach erfolgte die Kritik und die Bekanntgabe der Wertung. Ab 14.00 Uhr bewegte sich ein ansehnlicher Festzug zur Ortsmitte, um dort den Massenchor vorzutragen. Danach wurde von jedem teilnehmenden Verein noch ein Lied gesungen. So endete dieser Sängertag gegen 17.00 Uhr und wurde vom Vorsitzenden Kohl als wohlgelungen bewertet.
Bei einer Vorstandssitzung am 29. April 1923 in Rimbach stand als TOP 3 „die Gründung
eines Hessischen Sängerbundes” zur Diskussion. Für die Zeit zwischen den Delegiertenversammlungen vom 09.02.1924 in Fahrenbach und dem Delegiertentag am 05.02.1928 in Weinheim liegen keine Aufzeichnungen vor. Bei dieser Delegiertentagung wurde unter Vorsitz von Herrn Krug auch „der Anregung stattgegeben, daß neu eintretende Vereine mindestens 5 Jahre dem Gau angehören müssen, bevor sie von der Gauleitung bei Festlichkeiten berücksichtigt werden”. Das 1928 verwendete Siegel trägt den Schriftzug „Hessischer Sängerbund Gau Weschnitz”.
Das erste Kritiksingen des neuen Weschnitzgaues am 2. Sept. 1928 fand in Viernheim statt
und wurde in der Chronik als „Festtag in wahrem Wort und Sinn” bezeichnet.
Im Jahre 1931 trat der Gesangverein Eintracht Viernheim aus dem HSB aus, womit auch
sein Ausscheiden aus dem Gau Weschnitz verbunden war. Infolge dieses Austritts legte
Herr Krug sein Amt als 1. Vorsitzender nieder. Als dessen Nachfolger wurde der seitherige
2. Vorsitzende Herr Gehbauer aus Fürth gewählt.
Durch die Neueinteilung der Gaue im Jahre 1933 schieden die verbliebenen vier Viernheimer Gesangvereine aus dem Weschnitzgau aus und naturgemäß auch die Viernheimer Mitglieder des Gauvorstandes. Der seitherige Gau-Vorsitzende Gehbauer trug nun den Titel „Kreisverwalter”. Als neuer Kreischormeister wurde Herr Konrad Krämer aus Affolterbach einstimmig mit diesem Amt betraut. Anläßlich der Kreistagung des Weschnitzkreises des HSB am 2. Sept. 1934 informierte der Kreisverwalter Gehbauer über „die Forderung der Reichsmusikkammer, als Chorleiter möglichst nur Berufsdirigenten zu verwenden”. Dieses Ansinnen setzte sich jedoch in der nachfolgenden Debatte nicht durch. Zwangsläufig änderten sich in der Zeit des Nationalsozialismus, neben Titeln und Amtsbezeichnungen auch die Veranstaltungsformen, Gesang, Literatur u.a.m. „Durch eine endgültige Anordnung der Gauführung (im Jahre 1936) sind die bisher dem Neckarkreis zugehörenden Vereine „Union”, „Liederkranz” und „Sängerbund” in Wald-Michelbach sowie „Frohsinn” in Gadern dem Weschnitzkreis zugeteilt worden. Die feierliche Überführung gab dem Kreissängertag eine hohe Weihe. Die Kreisführer Gehbauer und Petri entsprachen der Bitte, das gute Einvernehmen, das bisher zwischen den Nachbarkreisen bestand, dadurch nicht trüben zu lassen.
Dem Bericht über das Wertungssingen 1936 ist u.a. zu entnehmen: „Der Geist der neuen
Zeit und das Wollen der führenden Männer ist leider noch immer nicht in die Köpfe und
Herzen unserer Kreis-Sängerschaft eingedrungen. Es könnte im anderen Falle nicht vorkommen, daß die Vereine mit wenigen Ausnahmen wieder zu Liedern gegriffen hatten,
die man in der jetzigen heldischen, männlichen und herrischen Zeit einfach nicht mehr
hören kann und will.” Der Kreissängertag für 1937 wurde der „Harmonie Aschbach”
übertragen. Zu einer lebhaften und teilweise erregten Aussprache kam es beim Thema Vereinsveranstaltungen. „Die Vereine, die allesamt wirtschaftlich schwer zu kämpfen haben, fürchten den unabwendbaren Untergang, wenn ihnen die Möglichkeit genommen wird, irgendeine Veranstaltung mit geringen materiellem Erfolg durchzuführen. Niederdrückend wirken auch die verschiedenen sich widersprechenden Anordnungen und Verfügungen der Bundes-, der Kreisämter und des „Kraft durch Freude”. Alles trägt dazu bei, den Menschen die Freude am deutschen Lied und den Vereinen die Führer zu nehmen. Es ist zu hoffen, daß dieser Zustand baldigst überwunden wird.”
Ein Protokollauszug vom November 1940 zeigt auf, daß der Singstundenbetrieb im
ganzen Kreisgebiet darniederlag und nur einzelne Vereine zeitweise noch singen.
Mit dem Datum des 11. Jan. 1942 enden die Eintragungen und Berichte über die Kreissängertage, Kreiswertungssingen und alle Begebenheiten, die die Verwaltung eines so
großen Sängerkreises mit sich bringt.

Zusammengefasst von Norbert Wegener
Zeitgeschichtliche Vorbemerkung:
Das Land Hessen wurde am 19. September.1945 von der amerikanischen Militärregierung
zunächst unter dem Namen Groß-Hessen aus dem größten Teil der ehemaligen
preußischen Provinz Hessen-Nassau und dem Volksstaat Hessen gebildet. In den einzelnen
Gemeinden durften sich die Bürger nur in einer einzigen Vereinigung zusammenfinden.
Seit dem 1. Januar 1950 wird der größte Teil der bundesdeutschen Bevölkerung ohne
Lebensmittelmarken versorgt.

Die (Wieder-) Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach Kriegsende verfügten die Besatzungsmächte, dass pro Gemeinde nur eine Vereinigung von Personen zulässig ist. So kam es zu zahlreichen Kooperationen und Zusammenschlüssen von (Vorkriegs-) Sport- und Kulturvereinen. Als am 10. Aug. 1947 der „Sängerkreis Bergstraße” gegründet wurde, traten ihm einige Vereine aus unserem Raum bei.
Die Jahre von 1950 bis Januar 1973 sind im „Protokollbuch der Kreisgruppe Weschnitztal-
Überwald des Großhessischen Sängerbundes” festgehalten. Das Buch beginnt
mit dem Eintrag:
„Mörlenbach, 8.1.1950 Gründungsversammlung Nachdem in Birkenau in der Turnhalle
eine Jahresversammlung des Sängerkreises Bergstrasse vorausgegangen war und dort
auf Wunsch der Gesangvereine des Odenwaldes der Rimbacher Bürgermeister Adam
Schmitt zum kommissarischen Vorsitzenden der neu zu gründenden Kreisgruppe Weschnitztal-Überwald vorgeschlagen wurde, hat Bürgermeister Schmitt für den Januar 1950 zu einer Gründungsversammlung nach Mörlenbach ins Gasthaus „Zur Krone” eingeladen.
„Vertretungen von 21 Vereinen waren anwesend. “… Schmitt wies … auf die Bedeutung
des Wiedererwachens … der Kreisgruppe hin … und konnte … auch den Bezirksvorsitzenden des allg. Deutschen Sängerbundes, Herrn Denecke (aus Darmstadt), begrüßen. „Es wurde eine Liste herumgereicht, auf der die Vereine Gelegenheit hatten, ihre Mitgliedschaft zu bekunden. Bei der Vorstandswahl wurde Bürgermeister Adam Schmitt aus Rimbach einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt. Es wurde beschlossen, 1950 ein Wertungssingen durchzuführen.

Die fünfziger Jahre

Die Chöre der folgenden 20 Gründungsvereine nahmen am ersten Wertungssingen am 10.
Sept. 1950 teil:
Eintracht Fahrenbach, Eintracht Hornbach, Eintracht Mörlenbach, Eintracht Mumbach,
Eintracht Reisen, Harmonie Siedelsbrunn, KSG Sängerabteilung „Concordia” Krumbach,
KSG Wald-Michelbach (mit KSG gemischter Chor Wald-Michelbach), Löhrbach, Abteilung
Gesang, Liederkranz Buchklingen, Liederkranz Fürth (mit Liederkranz gemischter
Chor Fürth), Liederkranz gemischter Chor Kreidach, Liederkranz Rimbach, MGV Ober-
Abtsteinach (mit Sänger-Doppelquartett Ober-Abtsteinach), Sängerbund Bonsweiher (mit
Sängerbund gemischter Chor Bonsweiher), Sängerbund Kolmbach, Sängerbund Wald-Michelbach, Sängerfreude Weiher, Sängerkranz Fürth (mit Sängerkranz gem. Chor Fürth), Sängerlust Lauten-Weschnitz.
In den nächsten Jahren traten weitere Chöre dem Sängerkreis bei, so dass die Anzahl der
Vereine von 21 (1950) auf 37 (1959), die Sängerzahl von 693 im Jahre 1950 auf 1369 (davon 131 Frauen, 173 Jugendliche und 50 Kinder) im Jahre 1959 anwuchs.
1951 trennt sich die Landesgruppe vom Deutschen Allgemeinen Sängerbund (DAS), und
es erfolgte die Gründung des großhessischen Sängerbundes.
Am 21. Jan. 1951 wurde eine Prüfungskommission (Kassenprüfer) gewählt, darunter
„Herr Lehrer Joseph, Liederkranz Fürth”. Die Nennung des Berufes, die ansonsten nur
beim Vorsitzenden, dem Bürgermeister von Rimbach erfolgte, zeigt, dass zum damaligen
Zeitpunkt und auch in den sechziger Jahren der Berufsstand des Lehrers ein besonderes
Ansehen genoss.
Auf der Dirigententagung im Dezember 1952 (mit den Vorsitzenden der Vereine) wurde
Musikmeister Kurt Schmitt aus Birkenau einstimmig zum Kreischormeister gewählt.
Im Jahre 1953 gab es einen (nicht näher bezeichneten) Konflikt zwischen den beiden Liebersbacher Vereinen.. Es konnte keine Einigung erzielt werden. Die ersten Austritte wurden im Jahre 1954 vermeldet: Gesangverein (GV) Eintracht Lindenfels und GV Sängerbund Kolmbach. Auf der Jahreshauptversammlung (JHV) 1954 wird „das Verhalten des GV Eintracht Lindenfels … missbilligend von der Versammlung aufgenommen, während
dem Sängerbund Kolmbach volles Verständnis entgegengebracht wurde.” Auch hier wurde
im Protokollbuch keine Begründung für diese Aussage gegeben. Die Modalitäten des
Kreis-Wertungssingens (KWS) wurden schon damals intensiv diskutiert: „Sängerfreund
Walz aus Lauten-Weschnitz kam noch einmal auf die Punktwertung beim Wertungssingen
zu sprechen. Die Versammlung lehnte nochmals einstimmig eine Punktwertung ab. „Im
Jahre 1956 erfolgten die nächsten Austritte: Sängerbund Ober-Mumbach und Immergrün
Hartenrod.
Für den 10. März. 1957 wurde eine Vorstandssitzung einberufen, die durch ein Schreiben
des 2. Vorsitzenden Herrn Schwöbel an alle Vorstandsmitglieder ausgelöst wurde. Hierbei
wurde das Schreiben eingehend besprochen und allgemein festgestellt, dass die Anschuldigungen an den Haaren beigezogen sind. Am Ende der Besprechung stellte Sangesfreund Rutta den Vertrauensantrag für den 1. Vorsitzenden. Der gesamte Vorstand sprach dem 1. Vorsitzenden einstimmig sein volles Vertrauen aus und am 3. Nov. 1957 taten es auch die Delegierten. Der Grund für die Anschuldigungen ist aus dem Protokollbuch nicht zu ersehen.
Auf der Dirigententagung am 31. März. 1957 wurde Bernd Zeh zum Kreischormeister
gewählt. Am 8. Feb. 1959 erfolgte die Wahl von Albert Klosa zum Kreischorleiter.
Die sechziger Jahre Zu Beginn des Jahres 1960 zählte der Sängerkreis 1327 Sängerinnen und Sänger, davon 50 Kinder. Der Vorschlag, einen Sängerpass einzuführen, wurde nie realisiert.
Auf der Delegiertentagung im Herbst 1960 wurde die Herausgabe des zweiten Kreischorheftes beschlossen. Auf der JHV 1961 stellte „Einheit” Mörlenbach den Antrag auf Gewährung eines Zuschusses für ihren Kinderchor. Es wurde der Beschluss gefasst, dass Kinderchöre nach drei Jahren Bestehen einmalig 50 DM erhalten.
In der JHV am 7. Jan. 1962 begrüßte der 1. Vorsitzende Adam Schmitt 38 Vereine (der
Sängerkreis hatte 41 Vereine mit 1465 Sängern). Auch in den folgenden Jahren lag die
Anwesenheitsquote durchweg bei 90 bis 95 %. Kreischorleiter Klosa machte den Vorschlag,
neben dem Wertungssingen noch ein Herbstkonzert durchzuführen, bemängelte
aber gleichzeitig die schlechte Beschickung der Chorleiterlehrgänge des HSB.
Auf der Delegiertentagung im Jahre 1962 wurde der Antrag gestellt, einen bestimmten
Kritiker (Waldemar Bock) nicht mehr als Wertungsrichter zuzulassen.
Auf der JHV des Jahres 1963 erfolgte die Aufnahme von GV Eintracht Birkenau einstimmig (seit langer Zeit wieder ein Zugang). Nun hat der Sängerkreis 1356 Sänger (d.h. minus 99) sowie 2 Kinderchöre mit 80 Kindern – eine gewisse Stagnation wird sichtbar. Der Vorstand wurde zur Anschaffung eines Liederheftes ermächtigt.
1963 wurde das Kreischorheft verteilt (Gesamtkosten 1400 DM, 1000 DM trägt die Kreisgruppe, 400 DM der Hessische Sängerbund HSB. Die sechs gemischten Chöre erhielten einen Chor nach eigener Wahl. Auf der Delegiertentagung im Herbst 1964 regte Kreischorleiter Klosa an, „man solle veranlassen, dass am Heldengedenktag der Sportbetrieb ruhen soll”. (Bereits seit 1952 ist die Bezeichnung nicht mehr „Heldengedenktag”, sondern „Volkstrauertag”, d. Verf.) Auf der JHV 1965 mit 91 Delegierten aus 44 Vereinen wurde MGV Eintracht Mengelbach-Stallenkandel
als Mitglied aufgenommen. Der Sängerkreis besteht nun aus 46 Vereinen. Hier wird der Bewertungsmodus des Wertungssingens kritisiert: „Der Druck der Kritiken soll fallen gelassen werden, jedoch sollen die Prädikate zusammengestellt den einzelnen Vereinen zugehen. „Immer noch gibt es den Massenchor vor dem Wertungssingen. Erstmals ist in einem Protokoll von einer Beitragserhöhung die Rede.
1966 beträgt der Stand 40 Männerchöre und 6 gemischte Chöre mit 1540 singenden Mitgliedern. Die Fortschreibung der Anzahl der Vereine war nicht immer lückenlos.
Auf der JHV 1969 wurde Fritz Geiss zum Kreischorleiter gewählt.

Die siebziger Jahre

Zum Vize-Chorleiterlehrgang des Jahres 1970 wurden 37 Meldungen abgegeben. Die vom
Sängerkreis initiierten und veranstalteten Vizechorleiter-Lehrgänge sind bis heute eine
Konstante in der Weiterbildung der Gesangvereine.
Auf der Delegiertentagung im Dezember 1970 kündigte der 1. Vorsitzende Adam Schmitt
an, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu kandidieren. Auf der JHV am 10. Jan.
1971 wurde Hans Schwöbel aus Vöckelsbach einstimmig zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt und Adam Schmitt einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Die Verdienste von Adam Schmitt hat sein Nachfolger Georg Umhauer im Rundschreiben vom 18. Jan. 1997 wie folgt gewürdigt: „Adam Schmitt war ein Glücksfall für unseren Sängerkreis, der Kontinuität ausstrahlte. Als er … sein Amt niederlegte, war es schwer, einen würdigen Nachfolger zu finden. Als Ehrenvorsitzender stand er uns bis zu seinem Ableben am 30. Okt. 1982 noch beratend zur Seite.”
Auf der Herbstkonferenz am 7. Nov. 1971 wurde die Herausgabe eines Liederheftes für
die Kreisgruppe vorgeschlagen. Zur Finanzierung standen aus Lottomitteln 500 DM, vom
HSB 500 DM und Mittel des Kreises Bergstraße zur Verfügung. Kreischorleiter Geiß wurde beauftragt, Angebote einzuholen. Bis 1972 wurden insgesamt 4 Liederhefte herausgegeben.
Damit wird ein der Zeit entsprechender „Kanon” für die Männerchöre geschaffen.
Ab 1971 liegen umfassende Berichte des Vorsitzenden über wahrgenommene Termine vor,
wie Sängerehrungen, Jubiläen der Vereine, Konzerte, Teilnahme an überregionalen Terminen auf Bundes- und Landesebene. So nimmt im Jahre 1971 der 1. Vorsitzende. oder
einer seiner Stellvertreter an 33 Veranstaltungen teil, 72 Sänger wurden geehrt. Auch in
den Berichten der Vorsitzenden bis heute ist die umfangreiche und „freizeitraubende” ehrenamtliche Tätigkeit dokumentiert.
Auf der Herbstkonferenz im Jahre 1972 berichtete der 1. Vorsitzende u.a. über die Bundesbeiratssitzung:
Es gab eine neue Satzung für den HSB, die JHV des HSB beauftragt den Vorstand, ein Merkblatt über GEMA-Gebühren auszuarbeiten. In den Protokollen der JHV der fünfziger und sechziger Jahre und in den Berichten der Vorsitzenden ab 1972 wird dann von den überregionalen Tagungen berichtet, wenn ein Bezug zur Arbeit vor Ort auftaucht. Auch das Thema der GEMA-Gebühren steht immer wieder auf der Tagesordnung und ist ein sensibler Punkt für die Vereine.
Kreischorleiter Geiß berichtete, dass das Liederheft zum Preis von 2,30 DM abgegeben
würde – für die gemischten Chöre gäbe es eine gesonderte Regelung.
Die gesamte Satzung ist überholungsbedürftig – Der Vorstand wurde beauftragt, eine Neufassung zu erarbeiten und den Entwurf der JHV vorzulegen.
Die „In-Druck-Gebung” eines Liederheftes wird als das Ereignis des Jahres 1972 herausgestellt. Dieses Liederheft für Männerchor enthält insgesamt 15 Lieder, unterteilt in die Rubriken Geistliche Chormusik, Fest und Feier,Weihnachten und Frohsinn und Geselligkeit.
Die Entwicklung der Vereine zeigte unterschiedliche Richtungen: einige hatten keine
Nachwuchssorgen, vor allem wenn ein Kinderchor oder Jugendliche vorhanden waren, andererseits gingen mehrere Vereine langsam aber sicher einer Überalterung entgegen.
Auf der JHV des Jahres 1974 bemängelt der Vorsitzende die zu späte Meldung vieler Vereine zum Wertungssingen. Dieser Mangel taucht auch in den Berichten der folgenden Jahre immer wieder auf. Es fällt nun die Entscheidung, nur alle 2 Jahre ein Wertungssingen durchzuführen.
Auf der JHV am 19. Januar 1975 gibt der 1. Vorsitzende Schwöbel letztmalig seinen Jahresbericht ab. Er kandidierte nicht mehr wegen seiner Wahl zum Kreisbrandinspektor. An diesem Tag wurde Georg Umhauer aus Erbach, von 1971-1972 Beisitzer und von 1973-
1974 stellv. Vorsitzender, zum Vorsitzenden gewählt. Diese Aufgabe wird er bis zum 18.
Jan. 1997 wahrnehmen.
Die Jahresberichte auf den JHV 1975 und 1976 spiegeln die relativ ruhigen Jahre wider.
Im Jahresbericht für das Jahr 1977 stellt der Vorsitzende heraus, „…dass das Musikfach in
unseren Schulen fast zur Bedeutungslosigkeit gesunken ist, wie das von unserem derzeitigen Kultusminister auch offen zugegeben worden ist. „Wir haben die Aufgabe, die Jugend in unsere Vereine zu integrieren, … die Aufstellung von Kinderchören… „ist zu prüfen, … in größeren Gemeinden sollte geprüft werden, ob nicht ein gemeinsamer Kinderchor ins Leben gerufen werden kann. … Auch in Zukunft müssen wir uns mit den GEMA-Gebühren, Steuerfragen und auch Haftpflichtversicherungsfragen auseinandersetzen, da vieles davon noch nicht ausreichend bekannt ist.”

Die achtziger Jahre

Auf der JHV im Januar 1981 erklärte der 1. Vorsitzende Georg Umhauer die Erhaltung
der Sängergemeinschaft und die Gewinnung junger Sänger und Kinder zum obersten Ziel.
Erneut gab es einen Vorstoß, gemeinsam mit dem Deutschem Sängerbund: mit einer Eingabe an die Abgeordneten des Hessischen Landtages die steuerliche Ungleichbehandlung von Sportvereinen und kulturellen Vereinen abzubauen. Diese über die Kreisgrenzen hinausgehende Aktivität blieb für viele Jahre ein Herzensanliegen des Vorsitzenden und führte trotz intensiver Bemühungen nicht zum Erfolg.
Der Kreiszuschuss wurde von 100 auf 120 DM je Verein erhöht.
In den folgenden Jahren waren die Gewinnung weiterer Altersgruppen und die Bildung
neuer Chor- und Präsentationsformen wesentliche Schwerpunkte der Vorstandsarbeit: Aufbau selbständiger Kinderchöre, Gründung von Kinderchören auf der Basis der Großgemeinden (ggf. in Kooperation mit Schulen und Lehrern), Einbau von Kindergruppen in Veranstaltungen, z.B. durch Liedvorträge oder Theateraufführungen, Gewinnung der mittleren Jahrgänge als aktive Sänger durch persönliche Ansprache („von alleine kommt heute niemand mehr”), besser die Bildung von gemischten Chören als das Aufgeben des Chorgesangs.
Man erkennt, dass die Themen und Probleme sich nicht geändert , sondern sich
sogar bis zum heutigen Tage weiter zugespitzt haben. Es zeigte sich weiterhin, dass Vereine, die mehr Leistung anstreben, mehr jüngere Sänger gewannen als Vereine, die stärker die Geselligkeit betonten. Von Vereinen durchgeführte Chorkonzerte waren besser besucht als reine Liederabende. Es gab Überlegungen, dass mehrere Vereine ein Gemeinschaftskonzert veranstalten. Generell war das Liedgut gegenüber früheren Jahren anspruchsvoller geworden und stellte erhöhte Anforderungen an Sänger und Chorleiter, was auch eine erkennbare Leistungssteigerung zur Folge hatte.
In den achtziger Jahren standen die Kurse für Vize-Chorleiter (durch den Kreischorleiter)
und der Bereich der Stimmbildung (durch Prof. Schneider) im Zentrum der Weiterbildung.
Daneben fand ein zweitägiges Seminar zur Schulung von Vorstandsmitgliedern mit den
Themen Satzungsrecht, Einführung in die Rhetorik, Vortragstechnik, Ablauforganisation
bei Sitzungen statt.
Die finanzielle Situation der Vereine und des Kreisverbandes wurde immer wieder thematisiert:
Durch ein Referat zum Thema „GEMA-Gebühren”, durch den bereits erwähnten
Vorstoß des Vorstandes zur finanziellen Gleichstellung der Chöre mit den Sportvereinen
(aus Toto- und Lottomitteln) und durch die Verhandlungen über die Zuschüsse des Kreises
Bergstraße.
Am 4. Nov. 1982 wurde der Ehrenvorsitzende Adam Schmitt in Rimbach beigesetzt, begleitet von den Kreisvereinen mit einer großen Fahnenabordnung.
Die Berichterstattung über die Kreiswertungssingen beinhaltete zum einen die oft mangelnde Disziplin der Vereine bei der Anmeldung (dies gilt auch für die Stimmbildungsseminare und die Vize-Chorleiter-Ausbildung) und die positive wie negative Kritik an Wertungsrichtern und -verfahren.
Beim Kreiswertungssingen 1987 schnitten der Volkschor Birkenau (Kinderchor, Dirigent
Heinrich Halblaub) und der Jugend- und Kinderchor Liederkranz Fürth (Dirigentin Rita
Horneff) mit „sehr gut bis hervorragend” und „hervorragend” ab.
Beim Bergsträßer Chortag 1988 in Bürstadt wirkten drei Chöre unseres Sängerkreises mit.
Ein Tonträger „Bergsträßer Chöre singen” wurde produziert.

Die neunziger Jahre

In der JHV im Januar 1990 wies der Vorsitzende darauf hin, dass man junge Menschen
kaum zum Umdenken in ihrem Freizeitverhalten bewegen kann und sich verstärkt jungen
Familien und mittleren Jahrgängen zuwenden muss, die sich gerne wieder einer Gemeinschaft anschließen, wenn die Kinder älter werden.
Erstmals seit ca. 20 Jahren hat das Land Hessen die Fördermittel für den HSB im Jahre
1989 von bisher 110.000 DM auf 160.000 DM angehoben. Der Landeszuschuss wurde im
Jahre 1990 auf 245.000 DM aufgestockt. (Anmerkung: Das Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst bezuschusste zum Vergleich im selben Jahr ein Rockkonzert mit bekanntermaßen üppigen Eintrittsgeldern mit 130.000 DM!).
Erstmalig im November 1989 wurde auf Initiative des Kreisjugendreferenten Harald Dörsam und des Kreischorleiters Fritz Geiß ein Kreisjugendseminar abgehalten. Der Zuspruch war zu Beginn sehr erfreulich, so trafen sich zum 2. Seminar 70 Sängerinnen und Sänger. Doch bereits das dritte Seminar am 17. Jan. 1991 war mit 47 Teilnehmern weniger gut besucht. Die Literatur kam aus Pop und Jazz, ausgesucht durch den Kreischorleiter Harald Eck, der die beiden Seminare leitete. Eck hatte die Idee, einen „jungen Kreischor” ins Leben zu rufen. Die Teilnehmer sollen sich ein- bis zweimal im Monat treffen und keine
Konkurrenz für Gesangvereine darstellen. Bis zum Jahre 1995 fanden in halbjährigem Abstand insgesamt 9 Seminare statt. Hinderlich war die Tatsache, dass in vielen Fällen die
Vorsitzenden bzw. Schriftführer der Vereine ihre jugendlichen Mitglieder nicht informiert
hatten. Um den schwindenden Zuspruch aufzuhalten, wurden die Altersbegrenzungen aufgehoben, so dass auch Erwachsene an den Seminaren teilnehmen konnten. Dennoch sank das Interesse so sehr, dass beim letzten Seminar im Jahre 1994 nur durch eine gemeinsame Telefonaktion des Kreisjugendreferenten und des Kreischorleiters eine akzeptable Teilnehmerzahl zustande kam. Daher wurden weitere Seminare nicht mehr geplant. Der Kreisjugendreferent Harald Dörsam legte sein Amt Anfang 1995 nieder.
Auf der JHV des Jahres 1991 wies der Vorsitzende darauf hin, dass ein bewegendes Jahr
hinter uns liege, das den Deutschen die Einheit gebracht habe.
Die Resolution des HSB bezüglich der Förderung des Chorwesens durch das Land und
die Ungleichbehandlung von Sport- und Kulturförderung (Sportförderung aus Lottomitteln) wurde dem Landtagspräsidenten Möller am 16. Mai 1990 übergeben.
Im Januar 1991 wurde Harald Eck zum neuen Kreischorleiter gewählt. Die Leistungen bei
den KWS wurden nach seiner Auffassung von den jeweiligen Wertungsrichtern anerkennend beurteilt. Beim KWS im Jahre 1993 war er mit dem Wertungsrichter und dessen Bewertungen und Besprechungen sehr zufrieden. Ein Manko sei gewesen, dass konkrete Tipps und Hilfen für Arbeit mit einem Laienchor fehlten, ein zukünftiger Juror wird auf dieses Bedürfnis hingewiesen. Die Teilnahme der Chorleiter an den Besprechungen sei leider immer mäßig gewesen.
Die Idee „Junger Kreischor” wurde nicht realisiert. Statt dessen gründete der Kreischorleiter den Konzertchor „acappella” Odenwald, der auch Mitglied unseres Sängerkreises ist.
Bei dem letzten KWS kam es, wie schon so oft in der Geschichte des Sängerkreises, bei
einigen Chorleitern zu Differenzen in der Bewertung und deren Bekanntgabe, die 2005 zu
einem regelrechten Eklat zwischen Musikausschuss und Kreischorleiter führte. Dies hatte
zur Folge, dass die Mitglieder des Musikausschusses mit Ausnahme des Stellvertreters geschlossen von ihren Ämtern zurücktraten. Bei den nachfolgenden Vorstandssitzungen wurden die Unstimmigkeiten zwar ausgeräumt, jedoch ist bis heute die Stelle des Kreischorleiters vakant.
Auf einer Arbeitstagung im Jahre 1991 wurde von Georg Umhauer ein von ihm zusammengestellter, aktueller und umfangreicher Informationsordner mit den Themen „Ehrungen, Steuern, Zuschüsse, Spenden, Versicherungen, GEMA” erläutert und den Vereinen für ihre Tagesarbeit zur Verfügung gestellt. .In der JHV am 21. Jan. 1995 gab der Vorsitzende eine Analyse und Bewertung der aktuellen Jugend- und Freizeitdiskussion: „Das Vereinsleben ist allgemein schwieriger geworden, weil sich die Jugend nicht mehr so binden will und binden lässt, wie das früher der Fall war. Schuld daran ist … das Überangebot in allen Bereichen, das zu einem ausgeprägten Freizeitkonsum motiviert, den alle mitmachen, um ja nichts zu verpassen.”
Die „Resolution vom 22. Jan. 1994 bezüglich der Gleichstellung und Gleichbehandlung
mit den sporttreibenden Menschen bei der Vergabe von Lotto- und Totomitteln … ist vom
Petitionsausschuss (des Hessischen Landtages, d.Verf.) am 11. Juli 1994 abgelehnt worden.”
Auf der JHV des Jahres 1996 stellte der Vorsitzende fest, dass kein Erfolg im Bemühen
um die Gleichstellung mit dem Sport hinsichtlich der Toto- und Lottomittel zu verzeichnen
gewesen sei. Das Verhalten des HSB (keine Weiterleitung der Resolution) wurde auf der
Bundesbeiratssitzung kritisiert. Inzwischen sei die Weiterleitung an den Landtagspräsidenten erfolgt.
In seinem letzten Jahresbericht führte Georg Umhauer auf der JHV am 18. Jan. 1997 in Vöckelsbach u.a. aus, dass ihm die Überalterung vieler Chöre Sorge bereite. Gezielt sollten Jahrgänge angesprochen werden, die ihre aktive Sportlaufbahn beenden. Er wies auf das Überangebot an Freizeitgestaltungen hin, von der auch andere Vereine betroffen seien.
In einem Rundschreiben vom 18. Jan. 1997 zog Umhauer eine beeindruckende Bilanz seiner Tätigkeit: Sie spiegelt den enormen Einsatz und das Engagement wider, mit dem er die vielen Termine von Ehrungen für aktiver Sänger und passiver Mitglieder, von Festen, Jubiläen, Konzerten und besonderen Veranstaltungen wahrgenommen hat. Nachstehend ist die Aufstellung von Georg Umhauer zusammengefasst dargestellt. Die Ausführungen und Zahlen sprechen für sich:
In den Jahren 1975 bis 1996 hat der Vorstand an insgesamt 670 Ehrungsterminen (Sängerehrungen) teilgenommen, davon hat Georg Umhauer 436 Termine wahrgenommen. Es fanden in diesem Zeitraum 288 Ehrungen passiver Mitglieder statt, von denen Umhauer 237 durchgeführt hat. An sonstigen Terminen, Feste, Jubiläen, besondere Veranstaltungen und Konzerte, etc. hatte der Vorstand 262 (davon Umhauer 214). In 13 Jahren, in denen Umhauer Kilometer abgerechnet hat, legte er jährlich ca. 1300 km für den Sängerkreis zurück.
In der JHV am 18. Januar 1997 wurde Horst P. Vetter aus Wald-Michelbach einstimmig zum Nachfolger von Georg Umhauer gewählt, der aus Altersgründen nicht mehr kandidiert hatte.
Die erste Amtshandlung des neuen Vorsitzenden war es, Georg Umhauer zum Ehrenvorsitzenden vorzuschlagen. Dies wurde von den Delegierten, die sich spontan von ihren Plätzen erhoben, eindrucksvoll bestätigt.
Am 13. Juli 1997 wurde Georg Umhauer nach 22 Jahren als Kreisvorsitzender im Rahmen einer feierlichen Zeremonie offiziell verabschiedet. Der 2. Vorsitzende des Sängerkreises, Ernst Klein aus Nieder-Liebersbach, würdigte die Verdienste von Georg Umhauer in bewegenden Worten.
Die Kontinuität der Führung im Sängerkreis zeigt sich darin, dass es in 56 Jahren nur
vier Vorsitzende gab:

  • 1950 – 1970 Adam Schmitt, Rimbach
  • 1971 – 1974 Hans Schwöbel, Vöckelsbach
  • 1974 – 1996 Georg Umhauer, Erbach
  • 1997 – heute Horst P. Vetter, Wald-Michelbach

Eine ähnliche Kontinuität ist für die Kreischorleiter seit 1950 festzustellen, die in folgenden
Jahren ihr Amt antraten:

  • 1952 Kurt Schmitt
  • 1957 Bernd Zeh
  • 1959 Albert Klosa
  • 1969 Fritz Geiß
  • 1991 Harald Eck (bis 2005)
  • 2000 bis heute (2006)

Das Ziel der finanziellen Gleichstellung mit den Sportvereinen besteht weiterhin, doch die
gegenwärtige Haushaltslage lässt keine Hoffnung auf Besserung aufkommen.
Beim DSB-Sängertag in Ludwigsburg, den der 1. Vorsitzende Horst P. Vetter als HSB-Delegierter besuchte, befassten sich alle Redner mit dem Thema Jugend und Singen, das es endlich zu lösen gilt. Kindergärten und Grundschulen will man mit einem Gütesiegel auszeichnen für gute musikalische Arbeit. So entstand die „FELIX”-Auszeichnung für Kindergärten.
Auf der Bundesbeiratstagung des HSB im Jahr 2001 wurden die Themen: „Richtlinien der
Vereinsförderung, Werbung und Vereine, Vereinsrecht aktuell” diskutiert. Am 29.09.2002
fand in Mörlenbach erstmalig der Kreissängertag des Landkreises Bergstraße unter Einbeziehung aller drei Sängerkreise statt. Bestandteile waren ein Workshop mit Liedeinstudierungen, an dem leider nur 30 Sänger teilnahmen, und ein Abschlusskonzert.
Auf der Bundesbeiratssitzung in Herbstein im Jahre 2002 informierte der Bundesmusikausschuss über die FELIX-Auszeichnungen für kindgerechtes Singen in den Kindergärten.
An den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum des HSB am 30. März 2003 in Wiesbaden nahm auch Horst P. Vetter als 1. Vorsitzender unseres Sängerkreises teil.
Unter großer Anteilnahme des Kreisvorstandes, der Vereinsvertreter mit  Fahnenabordnungen und zahllosen Sängerinnen und Sängern sowie der Bevölkerung wurde der Ehrenvorsitzende Georg Umhauer mit einer bewegenden Trauerfeier am 31. März 2004 in Heppenheim beigesetzt.
Zum 08. Apr. 2004 luden der Landrat Wilkes und der Vorsitzende des Kreistages erstmalig alle drei Sängerkreise ein zur Ehrung ihrer 50- und mehrjährigen Jubilare.
Die Namensänderung von „Deutscher Sänger Bund” in „Deutscher Chorverband” wurde
im Jahre 2005 vollzogen. Am 25. und 26.September.2004 fand der Kreissängertag in Bensheim statt, u.a. mit einem Konzert im Parktheater mit sehr geringem Besuch. Der Volkschor Birkenau hat es geschafft, bei den drei Birkenauer Kindergärten zu bewirken, dass das Singen dort so durchgeführt wird, wie es der DSB für die Auszeichnung des FELIX
vorgegeben hat, so dass dreimal das FELIX- Schild überreicht werden konnte. Im Jahre
2006 wurde der FELIX an den Kindergarten Rimbach verliehen. Pate war der Liederkranz Rimbach. Am 13. März 2005 fand im Haus des Gastes in Schönmattenwag die erste Sängerjubiläen-Ehrung des Kreises statt. Ausrichter war unser Sängerkreis. Die zweite Ehrungsfeier wurde am 05. März 2006 im Bürgerhaus in Mörlenbach abgehalten.

Quellen:
Für diese Chronik des Sängerkreises Weschnitztal-Überwald der Jahre 1950 bis heute (2006) wurden folgende Quellen ausgewertet:

  • Protokollbücher der Jahre 1950 bis zum 7.1.1973. Es wurden Protokolle der Jahreshauptversammlungen, der Vorstandssitzungen, der Dirigententreffen und der Delegiertentagungen geführt.
  • Jahresberichte der Vorsitzenden auf den Jahreshauptversammlungen 1972 bis 2006
  • Einzelne Jahresberichte des Jugendreferenten und des Kreischorleiters
  • Schreiben des Kreischorleiters vom 27.12.1996 und vom 03.01.2003 an alle Chorleiterinnen undChorleiter
  • Hinweise und Informationen des Vorstandes, namentlich von H. P. Vetter und E. Klein.