Sängerkreis Weschnitztal-Überwald vor neuen Herausforderungen

Zur 68. ordentlichen Mitgliederversammlung des Sängerkreises Weschnitztal-Überwald e.V. hatte der Vorstand die Delegierten in die gut gefüllte Trommhalle nach Rimbach-Zotzenbach eingeladen. Der Sängerkreis umfasst 52 Mitgliedsvereine mit mehr als 70 Chorgruppen und 1730 Sängerinnen und Sängern.

Die gastgebenden Vereine „GV Sängerbund 1885 Zotzenbach“ und „MGV Liederkranz 1883 e.V. Rimbach“ hatte Alles bestens vorbereitet, so dass die Ehrengäste und die Vertreter der Vereine sich gut aufgehoben fühlten. Geleitet vom Dirigenten des Sängerbundes, Erich Schütz, und begleitet von Beate Jahreis, Dirigentin des Liederkranzes, trug die Chorgemeinsaschaft „Ich wollte nie erwachsen sein“ von Peter Maffay und „Halte die Freiheit im Spiel“ von Clemens Bittlinger vor. Die Vertreter der beiden Vereine begrüßten die Gäste. Der Vorsitzende des Sängerkreises, Wolfgang Schlapp, begrüßte einige Ehrengäste: MdL Birgit Heitland, den Bürgermeister der Gemeinde Rimbach, Holger Schmitt, den Ortsvorsteher von Zotzenbach, Hans Göttmann, den Ehrenvorsitzenden des Sängerkreises, Horst Vetter und den Vorsitzenden des Sängerkreises Bergstraße Heinz Ritsert. Nach der Totenehrung, besonders für Elmar Schreinemacher und Rolf Köhler, brachte die gastgebende Chorgemeinschaft   „Bleib bei mir, Herr“ von William Monk dar.

Nach einigen Grußworten erstattete Wolfgang Schlapp den Bericht des Vorsitzenden.“ Der Chorgesang im Sängerkreis Weschnitztal-Überwald lebt.“ Dies sei an den vielen unterschiedlichen Veranstaltungen abzulesen: hervorragende Konzerte und Bereicherung des kulturellen Lebens. Die Bandbreite in Punkto Anspruch und Qualität der Chöre reiche von „international erfolgreichen Chören“ bis hin zu Vereinen, in denen Geselligkeit und Vergnügen im Vordergrund stehen. Leider könne man mit der Mitgliederentwicklung und dem Ansehen vor allem bei den Jüngeren in unserer Gesellschaft nicht zufrieden sein. Um diesem entgegenzuwirken, muss der Vorstand des Sängerkreises zusammen mit den Vorständen in den Vereinen daran arbeiten, diesen Zustand zu verbessern. Der Vorstand will deshalb in diesem Jahr eine Weiterbildungsinitiative starten.

Hier die wichtigen Ereignisse des vergangenen Jahres: Kreissängerehrung am Sonntag, 19. März 2017, in der Pfalzbachhalle in Rimbach-Mitlechtern, das Chorfest im April, zwei wunderschöne Tage in Trösel, Eintracht Gorxheim und der Liederkranz Trösel hatten eine tolle Arbeit abgeliefert.

Schlapp brachte im Folgenden einige bedenkliche statistische Daten dar: Insgesamt ist die Entwicklung, was die Zahl der Sänger/innen und der Ehrungen betrifft, rückläufig. Es gäbe noch 52 Mitgliedsvereine, drei hätten die Singtätigkeit eingestellt. Dies sei kein Versagen des Vorstands, sondern ein Weitermachen sei nicht sinnvoll gewesen. Die Anzahl der Sänger/innen im Sängerkreis sei  in den letzten zehn Jahren um 21 % zurück gegangen, die Anzahl der Kinder und Jugendlichen von 179 auf 107, 2012 habe man 110 Jubilare geehrt, 2017 nur noch 52.

Die Altersstruktur wird sich ohne grundlegende Reformen nicht ändern, es werden weitere Vereine ihre Aktivität einstellen. Es hilft nicht, wenn man glaubt, „mit ein paar englischen Liedern“ neue Sänger/innen zu gewinnen. Vielmehr sei eine grundlegende Reform erforderlich. Dazu gibt es einige Beispiele von Vereinen, die Jugendliche fördern, z.B. „Boy Groups“ ihren Lauf lassen, Jugendliche moderieren und ihnen Verantwortung übergeben. Auch die Neugründung von Kinder- oder Jugendchören ist ein Weg zur Erneuerung. Es gibt einige Beispiele, an denen sich andere Chöre orientieren können. Nach dem Jahresbericht der Jugendreferentin Constanze Mathibe, die über Aktivitäten der hessischen Chorjugend berichtete, erfolgte der Bericht der Kassenprüfer und die Entlastung des gesamten Vorstandes.

Unter der Überschrift „Weiterbildungsmaßnahmen im Sängerkreis“ entwickelte sich eine außerordentlich lebhafte Diskussion nicht nur über Weiterbildung, sondern auch über die Rolle der Politik, das Selbstverständnis der Vereine und der politische Wettbewerb mit den Sportvereinen. Klagen über das Fehlen der Kultur in der Verfassung, fehlenden Rückhalt der Politik  und mangelnden Musikunterricht in den Grundschule (vor allem das Singen) auf der einen Seite standen Apelle zum Mutmachen und Gegensteuern entgegen: Bürgermeister Schmitt verwies auf den Führungswechsel bei der TG Rimbach, wo zwei Jugendliche die Leitung übernommen haben. Moderne Medien wie Facebook, Kontakt des Sängerkreises mit der Jugendmusikschule, die Stärkung der gemeinsamen Verantwortung von Dirigent und Vorstand, neue Formen des Musikunterrichts in den Schulen, Workshops zur Erarbeitung und Umsetzung neuer Konzepte und nicht zuletzt „Jugendliche machen lassen“ und sich „für die Jugend sexy machen“ sind einige Ansätze. Grundtenor: Nicht auf „die da oben“ warten, sondern selber den „Karren aus dem Dreck ziehen“. Auch die Liedauswahl wurde diskutiert: dem hohen Stellwert des traditionellen deutschen Liedes wurde die Chance entgegengestellt, internationale Lieder zu singen und deutsche Lieder anders und moderner darzubieten. Wolfgang Schlapp kündigte an, dass der Vorstand des Sängerkreises eine Umfrage mit Vorschlägen starten werde, um die Weiterbildungs-Bedürfnisse der Vereine zu befriedigen. In Frage kommen Vizechorleiterkurse, Werbung neuer Mitglieder Stimmbildungskurse und Unterstützung beim Vereinsmanagement.

Wann und wo das Chorfest 2019 stattfinden soll, wurde noch nicht entschieden. Die Jahreshauptversammlung 2019 veranstaltet die KSG Kreidach am 19. oder 26. Januar 2019. Die Kreissängerehrung findet am 4. März 2018 im Bürgerhaus in Viernheim statt.

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