Kulturgemeinschaft Heppenheim lädt ein zu „Heppenheim singt“

Von Fritz Kuhn, veröffentlicht in Echo Online am 6. Februar 2018

HEPPENHEIM – „Singe, wem Gesang gegeben“, schrieb schon anno 1812 Ludwig Uhland. Der Dichterfürst richtete sich damit gegen eine zu enge Auslegung des von elitären Kreisen gesteuerten Kunstverständnisses und plädierte stattdessen für eine von mehr Emotionalität und Freiheit geprägte Poesie des Herzens. In Uhlands Gedicht heißt es anderer Stelle: „Nicht an wenig stolzen Namen ist die Liederkunst gebannt. Ausgestreuet ist der Samen über alles deutsche Land.“ Was sich da zugegebenermaßen antiquiert liest, hat bei genauerer Betrachtung heute noch Gültigkeit; heißt: Wenn demnächst die Aktion „Heppenheim singt“ startet, dann steht in ideellem Sinne auch Ludwig Uhland Pate.

Repräsentanten der Kulturgemeinschaft, der Stadt, Musikschule und der Sparkasse sowie Vorstandsmitglieder und Dirigenten Heppenheimer Gesangvereine verabschiedeten jetzt das Konzept „Heppenheim sing.“ Mit an Bord ist der aus dem Kraichgau kommende Musikpädagoge Patrick Bach. Foto: Fotogruppe FHP16, R. Schulze

Ohne Notenblätter und festes Repertoire

SEIT 30 JAHREN AKTIV

Mit der Aktion „Heppenheim singt“ beschreitet die Kulturgemeinschaft einen neuen Weg. Sollte die vierteilige Veranstaltungsreihe angenommen werden, dann wäre dies für die Dachorganisation das wohl schönste Geschenk zu ihrem 30. Geburtstag, der am 10. Juni gefeiert wird. Gründungsvorsitzender war der ehemalige Erste Stadtrat Anton Röckl (1988 bis 1994). Ihm folgten die heutige Ehrenvorsitzende Ruth Kutzmann (bis 2001) sowie Henner Kaiser (bis 2017).
Dem aktuellen Führungsgremium gehören an: Dietmar Petermann (Vorsitzender), Simone Onimus (Stellvertreterin), Jürgen Daubner (Rechner) und Reinhard Sablowski (Schriftführer). (frk)

Initiator der in vier Teile gegliederten Veranstaltungsreihe ist die Kulturgemeinschaft. Dietmar Petermann macht als Vorsitzender dieser über 30 Vereine zählenden Dachorganisation darauf aufmerksam, dass sich das Angebot an alle Bürger richtet, egal welchen Alters, ob Mann oder Frau, ob deutscher oder anderer Nationalität, ob musikalisch vorgebildet, ob schon in einem Chor aktiv oder ob absoluter Neueinsteiger. Letztere Spezies wird sogar besonders gern gesehen sein. Ziel sei es, so Petermann, gemeinsam Spaß zu haben.

Dem Bemühen, Hemmschwellen erst gar nicht aufzubauen, wird auch der äußere Rahmen gerecht. Wer sich für einen Besuch entscheidet, soll sich folglich keinesfalls in eine an Regeln gebundene Chorprobe versetzt fühlen, sondern – ganz im Gegensatz dazu – Teil eines „offenen Singens“ sein, bei dem Notenblätter ebenso verpönt sind wie ein vorher festgelegtes Repertoire. Erlaubt ist praktisch, was gefällt. Der Bogen kann sich dabei von Helene Fischers „Atemlos“, über Fahrten- und Wanderlieder (Mundorgel) bis hin zu stimmungsvollen Melodien rund um den Wein spannen. Zur zwanglosen Atmosphäre beitragen soll auch das Drumherum: keine Stuhlreihen mit nach Stimmlagen – von Tenor bis Bass – unterteilten Blöcken, dafür aber Stehtische, an denen zu einem guten Glas Wein auch Snacks gereicht werden. Lockerheit wird Trumpf sein.

Dass der Eintritt zu allen vier Veranstaltungen frei ist, versteht sich von selbst. Möglich wird die Teilnahme zum Nulltarif auch durch die Unterstützung der Sparkassenstiftung Starkenburg. Deren Sprecherin Andrea Helm zeigt sich beeindruckt vom Konzept und nicht weniger vom ehrenamtlichen Engagement, ohne das die Aktion nicht auf die Beine gestellt werden könne.

Die Koordination und Projektleitung von „Heppenheim singt“ liegt in den Händen der Kulturgemeinschaft. Beteiligt sind außerdem die Musikschule, die Migrationsbeauftragte von Stadt und Kreis, Vorstände und Dirigenten mehrerer Heppenheimer Gesangvereine sowie als Gesamtleiter der in Helmstadt/Kraichgau beheimatete Patrick Bach. Der 41 Jahre junge Musikpädagoge fühlt sich zwar nicht als eine Art Gotthilf Fischer, teilt aber durchaus dessen Ansicht, dass man jeden Menschen für den Gesang begeistern kann.

Erst im November 2017 strahlte das SWR-Fernsehen die zweite Staffel seiner Sendung „Bach – auch Du kannst singen“ aus. Entscheidend für den Erfolg sei, so der Chorleiter, Fähigkeiten der Teilnehmer aufzunehmen und sie ohne Leistungsdruck weiterzuentwickeln. Letztendlich gehe es nicht um ein am Ende „fertiges Produkt“, sondern darum, das Singen in der Gemeinschaft als persönliche Bereicherung erleben zu können: „Man muss sich nur getrauen, frei von der Leber weg zu singen.“

Die Aktion „Heppenheim singt“ wird am Freitag, 9. März, um 19 Uhr im „Gossini“ mit Patrick Bach als „Coach“ gestartet. Das zweite Treffen unter dem Motto „Singen beim Wein“ geht am Montag, 23. April, in den Räumen der Bergsträßer Winzer eG über die Bühne. „Singen am Lagerfeuer“ heißt die Devise dann am 14. Mai im Hof des Hauses der Vereine, Erbachwiesenweg. An gleicher Stätte abgeschlossen wird die Reihe am Sonntag, 10. Juni, wenn die Kulturgemeinschaft anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums zum „Finalen Singen“ einlädt.

 

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