In der Gemeinschaft entsteht Freude

Interview des Vorsitzenden Wolfgang Schlapp mit „extra“, erschienen am 27. Juli 2016

WESCHNITZTAL/ÜBERWALD. Singen macht nicht nur glück­lich, es ist auch noch gesund.

Wolfgang Schlapp Sängerkreis-Vorsitzender

Wolfgang Schlapp
Sängerkreis-Vorsitzender

Wissenschaftliche Studien be­legen, dass Singen die Abwehr­kräfte aktiviert, das Stresshor­mon Adrenalin abbaut und da­rüber hinaus die Sauerstoffver­sorgung der Organe verbessert. Dass das Singen im Chor „dop­pelt glücklich“ macht, weiß auch der Vorsitzende des Sängerkreises Weschnitztal-Über­wald, Wolfgang Schlapp. Seit 33 Jahren singt er im Männerchor des Liederkranzes Hambach und leiht dort auch dem ge­mischten Chor seine Stimme. Singen ist für ihn mehr als nur ein Hobby:„ Es ist ein Grundbe­dürfnis des Menschen, jeder sucht nach einer Möglichkeit, das auszuleben“, sagt Schlapp.

Auch wenn es sich nicht jeder traut, diesem „Grundbedürf­nis“ in der Öffentlichkeit nach­zugehen – beispielsweise mit einem Chor auf der Bühne zu stehen – wird es wohl kaum je­manden geben, der morgens nicht unter der Dusche ein Lied trällert oder im Auto seinen Lieblingssong im Radio mit­singt. Und ein Fußballspiel ohne mitreißende Fangesänge? Das ist kaum vorstellbar. Die Gesänge der irischen Fußball­fans bei der Europa-Meister­schaft in Frankreich kommen einem sofort in den Sinn, sie ha­ben weltweit Schlagzeilen ge­macht. Gemeinsames Singen fördert den Teamgeist und kann dadurch Gefühlen Ausdruck verleihen.

Doch sollte jeder, der möchte, auch seine Stimme erklingen lassen? „Im Prinzip kann jeder singen, ich denke, da gibt es nur große Ausnahmen“, sagt Schlapp. Doch auch besonders im musischen Bereich gilt: Übung macht den Meister. Man sollte also nicht gleich den Kopf in den Sand stecken, wenn man Töne nicht auf Anhieb trifft. „99 Prozent aller Menschen können durch regelmäßiges Üben an ihrer Stimme arbeiten und da­mit ihre Stimmbänder trainie­ren“, sagt Schlapp und ist über­zeugt: „In einem vierstimmigen Chor findet jeder seine Tonla­ge.“

Abstand vom Alltag

Nach einem langen und stressi­gen Arbeitstag findet ein Chor­sänger in der „Singstunde“ Ab­stand vom Alltag. Doch das po­sitive Gefühl stellt sich nicht nur durch das Singen an sich ein: „Das gemeinsame Hinarbeiten auf ein Konzert ist gut für die Gemeinschaft. Es ist ein Erfolgs­erlebnis, das noch länger hän­gen bleibt.“ Aber auch gemein­same Ausflüge oder die Arbeit im Vorstand können eine Berei­cherung sein. An seine jüngste positive Erfahrung denkt Schlapp gerne zurück: Der Lie­derkranz Hambach hat gerade sein 130-jähriges Bestehen be­gangen. „Das Jubiläum wurde zwar nur in einem kleinen Rah­men gefeiert, aber es war eine schöne Veranstaltung, die die Besucher zufrieden wieder ver­lassen haben.“

Warum sich das Singen in ei­nem Chor positiv auf den Men­schen auswirkt, führt er auf drei Komponenten zurück: Neben dem Gesang an sich, sind das die Geselligkeit und organisato­rische Aufgaben. „In einem Chor hat jeder die Möglichkeit, seine Aufgaben zu finden und erhält dadurch Selbstbestäti­gung.“

In Stimmungen hineinversetzen

Aber auch die Gefühlswelt wird durch den Gesang angespro­chen. „Ich finde es schön, wenn durch das Singen eine Stim­mung entsteht, in die man sich hineinversetzen kann.“ Schlapp nennt ein Beispiel. Im Bereich der Chormusik ist er vor allem ein Freund von Liedern aus der Romantik. Vertonte Gedichte, beispielsweise von Joseph von Eichendorff oder Johann Wolf­gang von Goethe, haben es ihm besonders angetan. „Über allen Gipfeln ist Ruh“` ist so ein Werk, das für ihn beinahe meditativen Charakter hat. ,.Dabei kann man die Ruhe im Wald spüren, das ist schön.“ Im Auto darf es aber gerne auch „moderne Mu­sik“ sein. Laut auf dreht er Songs aus seiner Jugend, bei­spielsweise von Pink Floyd oder Led Zeppelin – durch die Kinder dürfen es aber auch gerne aktu­elle Hits sein.

Macht Singen also tatsächlich glücklich? Allein wegen des Ge­sangs könnte man einen Chor nicht zusammenhalten, die Ge­selligkeit ist eine der wichtigen Komponenten, findet Schlapp. „Die Freude, die sich einstellt, wenn man gemeinsam singt und etwas erreicht, die macht es für mich aus.“


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